Perfekt, glatt, generisch: Nicht weil Menschen plötzlich schlechter gestalten – sondern weil „okay“ heute in Sekunden generiert wird.
Und genau da kippt es: Je leichter Bilder entstehen, desto stärker zählen Bilder, die nach Entscheidung aussehen.
Nicht nach Tool. Nicht nach Template. Nach Autorin.
Was wir 2026 sehen, ist keine Abkehr von AI als Werkzeug – sondern eine klare Abkehr von AI als Look.
Der neue Luxus heißt: Unverwechselbarkeit
Wenn alles möglich ist, wird das Eigene knapp.
„Schön“ ist langweilig.
Der Unterschied liegt in den individuellen Eigenheiten, mit Charakter:
- Kanten statt Komfort
- Haltung statt Harmonie
- Idee statt Oberfläche
„Du erkennst es sofort: Bilder, die nicht „richtig“ sein wollen, sondern wahr.“
Anti-Blanding: Schluss mit dem neutralen Einheitslächeln
Blanding ist der Output für eine Welt, die auf Risikoallergie trainiert wurde.
GenAI skaliert diesen Look – und macht ihn gleichzeitig schnell wertlos.
Die Gegenbewegung ist sichtbar.
Marken und Creator gehen wieder auf Charakter:
- eigenwillige Typo
- mutige Kontraste
- starke Perspektiven
- klare visuelle Regeln
Kurz: Art Direction wird wieder ein Statement.
Messiness mit Absicht: Unperfektes Echtheitssignal
Das Interessante ist nicht „unsauber“, sondern menschlich:
Körnung, Textur, echte Launen, ein Schnitt, der atmet, ein Moment, der nicht geschniegelt ist.
Das ist kein Rückschritt – das ist Glaubwürdigkeit.
Und Glaubwürdigkeit ist in Zeiten synthetischer Perfektion ein Wettbewerbsvorteil.
Die neue Ästhetik ist nicht „low-fi“, sondern high-intent:
Unperfektion als Gestaltungsmittel – nicht als Zufall.
Human Touch: Nicht Deko, sondern Strategie
„Human Touch“ wird oft wie ein Moodboard-Label behandelt. 2026 ist es eine Produktionsentscheidung:
- echte Sets statt generischer Hintergründe
- echte Requisiten statt perfekt berechneter Oberflächen
- echte Körperlichkeit statt Avatar-Neutralität
- echte Beobachtung aus dem sozialen Kontext statt „Pinterest-Remix“
Warum?
Weil AI dir Varianten gibt – aber selten Bedeutung.
Bedeutung entsteht durch Kontext, Kultur, Timing, Humor, Risiko.
Also durch das, was Menschen gut können.
Herkunft wird sichtbar: Provenance als Teil der Ästhetik
Je mehr synthetische Bilder im Umlauf sind, desto stärker wirkt ein neues Qualitätsmerkmal: Herkunft.
Nicht nur „sieht gut aus“, sondern:
Wer hat’s gemacht? Wie ist es entstanden? Was ist verifizierbar?
Content Credentials, Standards, Kennzeichnung: klingt technisch – ist aber emotional.
Denn Vertrauen ist ein Gefühl. Und Herkunft ist sein Beweis.
Visible AI = Reputationsrisiko
AI kann Kosten senken. Aber auch Markenwert kosten – wenn sie nach Abkürzung aussieht.
Der Punkt ist simpel:
Wenn dein Publikum den Trick sieht, ist der Zauber weg.
Die spannende Konsequenz:
Viele starke Teams nutzen AI intensiver denn je – nur sieht man es weniger.
AI wird Infrastruktur. Die Handschrift bleibt menschlich.
Fazit: „AI unsichtbar – Mensch sichtbar“
Die Trendwende ist klar, aber präzise:
Weg von AI als dominanter Ästhetik, hin zu menschlicher Autor*innenschaft als Differenzierung.
Oder in Bildsprache übersetzt:
- Mehr Material, weniger Plastik
- Mehr Haltung, weniger „gefällt allen“
- Mehr Moment, weniger Perfektion
- Mehr Herkunft, weniger generischer Glow
Wenn alles generierbar wird, gewinnt das, was nicht generisch ist.
Quellen:
- MarTech – „AI fatigue“ und Effekte auf Brand/Engagement
- Digiday – steigende Nachfrage nach Authentizität/„Messiness“ im Creator-Markt
- Adobe – Creative Trends 2026 (Human Touch als Leitmotiv)
- Europäische Kommission – EU-Regulierungsrahmen / Transparenz- & Kennzeichnungsthemen
- Content Authenticity Initiative / Content Authenticity – Content Credentials & Provenance (C2PA)
- SAG-AFTRA – AI/Consent/Schutzmechanismen für Performers & Rechte
- The Verge – öffentliche Kritik an sichtbarer AI-Werbeästhetik (Reputationssignal)


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