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  • Stocksy United: eine Premium-Bildagentur und  Genossenschaft

    Stocksy United: eine Premium-Bildagentur und Genossenschaft

    Warum eine Stockagentur als Genossenschaft mehr ist als ein Marketing-Label
    Stockfotografie ist für viele Kreativ-Teams ein tägliches Werkzeug – und für viele Fotograf:innen zugleich ein Geschäftsmodell mit zunehmend schmalen Margen. In diesem Spannungsfeld positioniert sich Stocksy United seit 2013 als Gegenentwurf: eine kuratierte Premium-Stockagentur, organisiert als mehrstufige Plattform-Genossenschaft, in der Contributor nicht nur Zulieferer sind, sondern Miteigentümer:innen.


    Was Stocksy ist (und warum es sich von anderen Agenturen unterscheidet)
    Stocksy (Stocksy United) ist eine in Victoria, British Columbia (Kanada) ansässige Stockplattform für Fotos und Footage (und je nach Kollektion auch Illustratives), die sich bewusst vom klassischen „mehr Masse, mehr Treffer“-Prinzip abgrenzt. Das Geschäftsmodell kombiniert drei Dinge, die in der Branche selten zusammenkommen:

    • Premium-Positionierung & strenge Kuratierung statt Microstock-Volumenlogik.
    • Hohe, fest kommunizierte Royalty-Sätze:
      Stocksy nennt 50% für Standard-Lizenzen sowie
      75% für Extended Licenses und Market Freezes.
    • Miteigentum & Mitbestimmung über ein Genossenschaftsmodell (mehr dazu unten).

    Für Bildkäufer:innen bedeutet das oft: weniger „Stock-typische“ Motive und weniger austauschbare Bildformeln – dafür eine Bildsprache, die eher nach Editorial und Brand Storytelling aussieht.


    Reaktion auf den „Race to the Bottom“ im Stockmarkt
    Stocksy wurde öffentlich im März 2013 gestartet und geht auf ein Team um Brianna Wettlaufer und Bruce Livingstone (iStock-Gründer) zurück.
    Der Kontext: In den 2000er- und 2010er-Jahren verschob sich der Stockmarkt stark Richtung Microstock und Preisdruck. Gleichzeitig wurden viele Fotograf:innen stärker zu „Content-Lieferanten“ in Plattform-Ökonomien, in denen Konditionen und Sichtbarkeit zentral gesteuert werden. Stocksy wurde in frühen Berichten explizit als „Opposite“ zur damaligen Marktlogik beschrieben: Qualität priorisieren und Creator finanziell besser stellen.


    Genossenschaftsmodell: Mehr als nur „gute PR“
    Stocksy bezeichnet sich als multi-stakeholder, member-owned platform cooperative. Praktisch heißt das: Es gibt verschiedene Stakeholder-Klassen (u. a. Artists, Staff, Advisors) – und das Modell ist in Regeln/Struktur übersetzt, nicht nur in Kommunikation.
    Zwei Mechaniken sind dabei zentral:

    • Royalties als Standard: Die Beteiligung pro Verkauf ist sehr hoch im Vergleich zu vielen marktüblichen Stockmodellen – und transparent in den Support-Dokumenten beschrieben.
    • Patronage (Gewinn-/Überschussbeteiligung): Wenn ein Überschuss entsteht, kann die Genossenschaft laut Stocksy Patronage Dividends/Returns an berechtigte Mitglieder auszahlen.

    Dass Stocksy dieses Modell nicht nur theoretisch führt, wird auch in externen Fallstudien zur Plattform-Genossenschaft dokumentiert (inkl. Auszahlungen über mehrere Jahre).


    Wie kuratiert Stocksy (und was das für die Bildsprache bedeutet)?
    Stocksy arbeitet bewusst editorial geprägt: Der Bestand soll nicht nur „suchbar“, sondern erzählerisch und ästhetisch konsistent sein. In Beiträgen aus der Community wird betont, dass jedes Bild einzeln von Editors geprüft und akzeptiert/abgelehnt wird.
    Was das in der Praxis oft bewirkt:

    • Weniger Klischee-Stock: weniger „Business-Handschlag vor Whiteboard“, mehr situative Momente, echte Umgebungen, subtile Gesten.
    • Stärkere Serienlogik: Bildstrecken und konsistente Looks funktionieren gut für Marken, die Kampagnen modular aufbauen.
    • Planbarkeit für Art Buying: Wer eine bestimmte visuelle Handschrift sucht, findet sie oft schneller, weil der „Rauschen“-Anteil kleiner ist.

    Ein zweiter Punkt ist Exklusivität auf Zeit: Stocksy definiert mit dem Market Freeze eine Lizenz, die exklusive Nutzung für einen gewählten Zeitraum ermöglicht – währenddessen wird das Asset nicht an andere Kund:innen lizenziert.


    Für wen ist Stocksy besonders interessant?

    Kreativ-Agenturen & Brand-Teams (Art Buying / Produktion)

    • Wenn die Bildsprache weniger generisch wirken soll und ihr lieber kuratiert als „endlos scrollt“.
    • Wenn ihr zeitweise Exklusivität braucht (z. B. Produktlaunch, Kampagnenfenster) – ohne gleich ein komplettes Shooting zu produzieren.

    Publisher & Editorial

    • Wenn „Stock“ nicht als Stock erkennbar sein darf: dokumentarische Anmutung, echte Situationen, weniger Symbolbilder.

    Fotograf:innen / Filmer:innen, die auf nachhaltigere Erlöslogik setzen

    • Wenn ihr ein Modell sucht, das hohe Royalties plus die Möglichkeit von Patronage kombiniert.
    • Gleichzeitig gilt: Die Hürde ist höher. Stocksy beschreibt das Bewerbungs-/Review-Prozedere als bewusst sorgfältig (und die Kuratierung spürt man auch danach im Upload-Alltag).

    Fazit:
    Stocksy United wurde 2013 gegründet und öffentlich vorgestellt und positioniert sich gegen die „Race to the Bottom“-Dynamik, die mit den Preisen für Microstock-Bilder und den plattformgesteuerten Bedingungen einhergeht.
    Was Stocksy auszeichnet, ist die Kombination aus strenger Kuratierung (jedes Bild wird von Redakteuren geprüft), hohen Lizenzgebühren (Stocksy gibt 50 % für Standardlizenzen und 75 % für erweiterte Lizenzen/Marktstopps an) und einer kooperativen Plattformstruktur mit mehreren Interessengruppen, die in Überschussjahren eine mögliche Ausschüttung an die Förderer vorsieht.
    Für Käufer ist Stocksy besonders relevant, wenn eine Marke eine eher redaktionelle, authentische Bildsprache und – über Market Freeze – zeitlich begrenzte Exklusivität für Kampagnenfenster benötigt.

    www.stocksy.com

    Weiterer Artikel: Stocksy United für Contributor als Gegenentwurf

  • Stocksy United für Contributor

    Stocksy United für Contributor

    Viele Fotograf:innen kennen das Spiel: mehr Uploads, mehr Keywords, mehr Konkurrenz – aber die Erlöse pro Lizenz fühlen sich oft an wie „weniger bei mehr Arbeit“. Genau in diese Lücke setzt Stocksy United: eine kuratierte Premium-Stockagentur, organisiert als Genossenschaft, in der Artists nicht nur liefern, sondern (bei Aufnahme) Mitglied werden können. Das verändert nicht nur die Bezahlung, sondern auch die Frage, welche Art von Bildern überhaupt gefragt ist.


    Was Stocksy ist – und warum es sich für Contributor anders anfühlt als klassische Agenturen

    Stocksy ist nicht „noch eine Stockseite“, die alles nimmt, was technisch sauber ist. Die Plattform ist Premium + kuratiert. Für dich als Contributor heißt das:

    • Du verkaufst nicht über Masse, sondern über Bildsprache, Konsistenz und Serie.
    • Du arbeitest eher wie für ein Editorial/Brand-Portfolio als wie für eine Keyword-Fabrik.
    • Deine Rolle ist näher an „Kreativpartner:in“ als an „Content-Lieferant:in“.

    Das klingt nach Brand-Bla, ist aber praktisch relevant: Bei Stocksy gewinnen oft Motive, die du auch für ein Magazin oder eine Kampagne fotografieren würdest – nur eben lizenzierbar.


    Entstehung: Reaktion auf den „Race to the Bottom“ im Stockmarkt

    Stocksy entstand als bewusster Gegenentwurf zur Entwicklung, die viele Contributor seit Jahren spüren: Preisdruck, Austauschbarkeit, Plattformregeln, die sich ohne Mitbestimmung ändern können. Die Gründungsidee war: Premium-Preise + faire Beteiligung + kuratorische Handschrift.
    Für dich ist das wichtig, weil daraus eine klare Logik folgt: Stocksy sucht nicht „alles“, sondern einen bestimmten Look – und belohnt ihn.


    Genossenschaftsmodell: Mehr als „gute PR“ – was das praktisch für dich bedeutet

    „Cooperative“ ist hier nicht nur Etikett. Für Contributor sind zwei Dinge entscheidend:

    • Hohe Beteiligung pro Verkauf (Royalties)
      Du bist nicht darauf angewiesen, 10.000 Downloads zu stapeln, um den Monat zu retten. Bei Premium-Stock kann schon weniger Volumen spürbar sein – wenn dein Content zur Nachfrage passt.
    • Patronage/Überschussbeteiligung (je nach Jahr/Regeln)
      Statt dass Gewinne ausschließlich in einer Firmenstruktur hängen bleiben, kann es zusätzliche Ausschüttungen für Mitglieder geben. Das ist kein garantierter Bonus – aber es ist ein Signal, dass die Plattformlogik nicht ausschließlich „oben sammelt, unten produziert“ ist.

    Contributor-Takeaway:
    Stocksy ist eher „Portfolio-Asset“ als „Upload-Maschine“. Du baust dir eine Bibliothek, die über Jahre trägt – wenn du den Stil triffst.


    Wie Stocksy kuratiert – und was das für deine Bildsprache bedeutet

    Kuratierung heißt: Nicht nur technische Qualität zählt, sondern stimmige, markenfähige Bildwelten. Typisch gefragt sind:

    • Authentizität statt Symbolik
      echte Räume, echte Details, echte Situationen
    • keine „zu perfekten“ Stock-Posen
    • Serien statt Einzelbilder
      Stocksy liebt Content, der als Story-Set funktioniert.
    • Konsequenter Look
    • „Commercial-usable“, ohne nach Werbung auszusehen

    Für wen Stocksy besonders interessant ist

    Stocksy passt gut, wenn du …

    • gern in Serien denkst und nicht nur Einzelshots produzierst
    • einen starken, konsistenten Stil hast (oder bewusst entwickeln willst)
    • eher Lifestyle, Travel, Food, Portrait, Dokumentarisches machst
    • bereit bist, kuratorisches Feedback (implizit über Annahme/Ablehnung) als Teil des Prozesses zu akzeptieren
    • dein Stock-Portfolio als langfristiges Asset bauen willst

    Stocksy passt eher nicht, wenn du …

    • auf reine Menge setzt (High-Volume-Upload, generische Motive)
    • primär isolierte Freisteller/Icons/„Business-Klischees“ produzierst
    • schnelle, planbare Abnahme ohne Stilvorgaben erwartest
    • keine Zeit/Lust hast, Releases & Serien konsequent zu organisieren

    Infos für Contributor: Artist for Stocksy