Tag: 13. Februar 2026

  • Menschlichkeit wird Bildsprache. AI wird Commodity.

    Menschlichkeit wird Bildsprache. AI wird Commodity.

    Perfekt, glatt, generisch: Nicht weil Menschen plötzlich schlechter gestalten – sondern weil „okay“ heute in Sekunden generiert wird.

    Und genau da kippt es: Je leichter Bilder entstehen, desto stärker zählen Bilder, die nach Entscheidung aussehen.
    Nicht nach Tool. Nicht nach Template. Nach Autorin.

    Was wir 2026 sehen, ist keine Abkehr von AI als Werkzeug – sondern eine klare Abkehr von AI als Look.


    Der neue Luxus heißt: Unverwechselbarkeit

    Wenn alles möglich ist, wird das Eigene knapp.
    „Schön“ ist langweilig.
    Der Unterschied liegt in den individuellen Eigenheiten, mit Charakter:

    • Kanten statt Komfort
    • Haltung statt Harmonie
    • Idee statt Oberfläche

    „Du erkennst es sofort: Bilder, die nicht „richtig“ sein wollen, sondern wahr.“


    Anti-Blanding: Schluss mit dem neutralen Einheitslächeln

    Blanding ist der Output für eine Welt, die auf Risikoallergie trainiert wurde.
    GenAI skaliert diesen Look – und macht ihn gleichzeitig schnell wertlos.

    Die Gegenbewegung ist sichtbar.
    Marken und Creator gehen wieder auf Charakter:

    • eigenwillige Typo
    • mutige Kontraste
    • starke Perspektiven
    • klare visuelle Regeln

    Kurz: Art Direction wird wieder ein Statement.


    Messiness mit Absicht: Unperfektes Echtheitssignal

    Das Interessante ist nicht „unsauber“, sondern menschlich:
    Körnung, Textur, echte Launen, ein Schnitt, der atmet, ein Moment, der nicht geschniegelt ist.

    Das ist kein Rückschritt – das ist Glaubwürdigkeit.
    Und Glaubwürdigkeit ist in Zeiten synthetischer Perfektion ein Wettbewerbsvorteil.

    Die neue Ästhetik ist nicht „low-fi“, sondern high-intent:
    Unperfektion als Gestaltungsmittel – nicht als Zufall.


    Human Touch: Nicht Deko, sondern Strategie

    „Human Touch“ wird oft wie ein Moodboard-Label behandelt. 2026 ist es eine Produktionsentscheidung:

    • echte Sets statt generischer Hintergründe
    • echte Requisiten statt perfekt berechneter Oberflächen
    • echte Körperlichkeit statt Avatar-Neutralität
    • echte Beobachtung aus dem sozialen Kontext statt „Pinterest-Remix“

    Warum?
    Weil AI dir Varianten gibt – aber selten Bedeutung.

    Bedeutung entsteht durch Kontext, Kultur, Timing, Humor, Risiko.
    Also durch das, was Menschen gut können.


    Herkunft wird sichtbar: Provenance als Teil der Ästhetik

    Je mehr synthetische Bilder im Umlauf sind, desto stärker wirkt ein neues Qualitätsmerkmal: Herkunft.

    Nicht nur „sieht gut aus“, sondern:
    Wer hat’s gemacht? Wie ist es entstanden? Was ist verifizierbar?

    Content Credentials, Standards, Kennzeichnung: klingt technisch – ist aber emotional.
    Denn Vertrauen ist ein Gefühl. Und Herkunft ist sein Beweis.


    Visible AI = Reputationsrisiko

    AI kann Kosten senken. Aber auch Markenwert kosten – wenn sie nach Abkürzung aussieht.

    Der Punkt ist simpel:
    Wenn dein Publikum den Trick sieht, ist der Zauber weg.

    Die spannende Konsequenz: 
Viele starke Teams nutzen AI intensiver denn je – nur sieht man es weniger.
    AI wird Infrastruktur. Die Handschrift bleibt menschlich.


    Fazit: „AI unsichtbar – Mensch sichtbar“

    Die Trendwende ist klar, aber präzise:
    Weg von AI als dominanter Ästhetik, hin zu menschlicher Autor*innenschaft als Differenzierung.

    Oder in Bildsprache übersetzt:

    • Mehr Material, weniger Plastik
    • Mehr Haltung, weniger „gefällt allen“
    • Mehr Moment, weniger Perfektion
    • Mehr Herkunft, weniger generischer Glow

    Wenn alles generierbar wird, gewinnt das, was nicht generisch ist.


    Quellen:

    • MarTech – „AI fatigue“ und Effekte auf Brand/Engagement
    • Digiday – steigende Nachfrage nach Authentizität/„Messiness“ im Creator-Markt
    • Adobe – Creative Trends 2026 (Human Touch als Leitmotiv)
    • Europäische Kommission – EU-Regulierungsrahmen / Transparenz- & Kennzeichnungsthemen
    • Content Authenticity Initiative / Content Authenticity – Content Credentials & Provenance (C2PA)
    • SAG-AFTRA – AI/Consent/Schutzmechanismen für Performers & Rechte
    • The Verge – öffentliche Kritik an sichtbarer AI-Werbeästhetik (Reputationssignal)